Der Hund als bester Freund ohne ihn wirklich zu verstehen?

Veröffentlicht: 25. Juni 2009 von Sonja Greye in Familie, Freizeit
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In unserer Familie leben zwei Mischlingshunde- mit uns in Harmonie zusammen. Wir haben einen kleinen Sohn und auch eine Katze und es ist alles kein Problem. Dennoch fällt mir immer wieder auf, wie unnatürlich und übertrieben sich andere Menschen bezüglich der Hunde verhalten. Gerade in Ballungsräumen wachsen Kinder nicht mehr natürlich mit der Natur auf. Man könnte sich ja Keime oder Allergene einfangen. Oder man könnte von einem Hund angefallen werden. Denn scheinbar ist die Meinung sehr verbreitet, dass ein Hund grundsätzlich böse und gefährlich ist. Besonders schlimm finde ich es, wenn Eltern ihr Angst und Unsicherheit auf die Kinder übertragen.

So ist es vorgekommen, dass sich zwei Kinder beim Anblick meiner damals 6 Monate alten Hündin (ziemlich tapsig und wirklich niedlich) auf den Boden geworfen haben und lauthals getobt und geschrien haben. Der Hund hat sich daraufhin hinter mir versteckt, weil sie Angst hatte und so ein merkwürdiges Verhalten noch nie erlebt hatte. Ich allerdings auch nicht.

Ich habe für mich eine Erklärung für solche Verhaltensweisen gefunden. Es gibt immer wieder Zwischenfälle wie diesen, der dann in den Medien aufgebauscht wird:
Blut Drama

Ich bin sicherlich kein Tierpsychologe, aber den nach Schilderungen und dem Verhalten des hundes nach dem Vorfall (kam im TV) zu urteilen, kann ich schon sagen, dass dieser Hund nicht aus purer Aggression gebissen hat, sondern weil irgendetwas vorgefallen sein muss, was ihn erschreckt hat.
Leider schaffen sich Menschen Hunde an und denken dann, man könne diese einfach so mitlaufen lassen und müsse sich nicht mit der Thematik oder Erziehung beschäftigen. Deshalb passieren die meisten Hunde-Unfälle auch im häuslichen Bereich. Durch falsches Verhalten und Missverständnisse in der Kommunikation zwischen Mensch und Hund.
Beschwichtigung beim Hund

Wichtiger Punkt in der Kommunikation sind die Beschwichtigungssignale des Hundes. Wenn ein Hund permanent die Schnauze oder die Hand des Menschen leckt heißt das nicht „Ich habe Hunger“ oder „Ich hab dich lieb“ sondern eher „tu mich nichts, ich unterwerfe mich dir“. Das machen Hunde meistens wenn sich ein Mensch ihnen freudig frontal nähert, direkt vor ihnen stehen bleibt und über den Kopf beugt, um sie zu streicheln. In Hundesprache könnte das etwa heißen „hey du Kleiner, gleich mal vorab ich bin hier der Super-Boss und ich unterwerfe dich, egal was du tust, denn du bist ein Nichts gegen mich…“. Die meisten Hunde geben solchen Verhaltensweisen eben durch Beschwichtigungen nach, aber wenn man ein Exemplar vor sich hat, das Angst hat oder evtl. selbst der Meinung ist, er/sie ist der/die Größte, kann das ganz schön nach hinten losgehen.
Weiterhin sollte sich jeder, der einen Hund halten will, darüber im Klaren sein, dass es sich um ein Tier und nicht um einen Kindersatz handelt. Ein Hund sollte nicht vermenschlicht werden. Das fängt schon damit an, wenn man dem Hund einen ewig langen Text mitteilt um ihn zu irgendetwas zu bewegen oder davon abzubringen. Oft könnte man diese Situation mit einer einfachen Gestik bzw. einem Laut bereinigen. Hunde halten untereinander auch kein Kaffeekränzchen. Hunde tragen sich auch gegenseitig nicht auf dem Arm oder in einer Handtasche. Ich habe neulich in der U-Bahn solch einen armen Hund in einer Handtasche gesehen. Er hatte sichtlich Angst zwischen all den Menschen. Dann nahm die Besitzerin ihn aus der Tasche und fing an ihn abzuknutschen und mit ihm zu sprechen wie mit einem Baby. Der Hund konnte gar nicht mehr aufhören zu beschwichtigen und sie fühlte sich geschmeichelt, weil sie dachte, er will ihr ein Bussi geben. Missverständnisse, die in der gegebenen Situation böse enden können. Zugegebenermaßen wohl eher weniger mit einem Hund in der größe eines Katzenbabys aber auch dieser ist und bleibt ein Hund.
Besitzer von kleinen Hunden brauchen sich nicht wundern, wenn diese profilneurotisch, zickig und aggressiv werden, wenn sie bei jeder Kleinigkeit hochgehoben werden, vom Tisch essen drüfen und den besten Platz auf der Couch haben.

Ich bitte jeden, der sich einen Hund anschaffen möchte, sich vorher genau mit der Thematik zu befassen und bereit dafür zu sein, die Sprache der Hunde ein Stück weit zu lernen. Weiterhin sollte gut überlegt sein, ob ein Rassehund der Auserwählte sein soll. Die Tierheime sind voll und in solchen Zeiten muss man nicht noch zusätzlich züchten. Zumal gerade durch Überzüchtung der beliebtesten Rassen psychische und körperliche Defekte der Hunde auftreten können (wie bei Inzucht). Beispiel hier ist das Wut-Syndrom beim Hund. Dieser fängt unvermittelt an auszurasten, ohne bestimmten Grund. Es handelt sich hier um eine Krankheit, die vor allem durch Überzüchtung entsteht allerdings noch recht selten vorkommt.
Wut Syndrom

Bitte vermitteln Sie den Kindern nicht generelle Abneigung gegen Hunde. Denn sie sind nicht böse. Hunde haben besonders was Kinder betrifft ein ganz feines Gespür. Wenn dies anders sein sollte, dann hat der Mensch sie dazu gemacht was sie sind- tierische Sozialkrüppel.

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