Brot und Spiele…

Veröffentlicht: 10. Juli 2010 von Sonja Greye in Politik
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Seit am Mittwoch unsere Fußballnationalmannschaft den Einzug ins Finale leider verpasst hat, scheint es mit dem Nationalstolz der Deutschen schlagartig anders geworden sein. Man sieht zwar hier und da noch eine Deutschlandflagge, entweder am Auto oder vielleicht auch im Straßengraben, allerdings merkt man doch deutlich, wie sich Ernüchterung breit macht. Das Land erwacht aus dem Freudentaumel, wie auch schon beim Sommermärchen 2006.


Was in den letzten Wochen von unseren Politikern alles entschieden wurde, haben die meisten nur am Rande mitbekommen bzw. haben es ausgeblendet, um sich ganz auf die Fußball WM konzetrieren zu können.
Da fällt mir der Begriff „Brot und Spiele“ ein. Im Lateinischen „patem et circenses“ stammt der Begriff vom Dichter Juvenal, der diesen in seinen Satiren über das ängstlichen und entpolitisierte römische Volk sprach, das sich nur noch Brot und Spiele wünschte.
Ein solches Szenario kann man auf unser heutiges Deutschland gut übertragen. Werden die niederen Gelüste des Volkes befriedigt und oberflächlich Geschenke gemacht, kann man den Freudentaumel nutzen, um politische Grausamkeiten am Volk umzusetzen.
So wurde während der WM 2006 im eigenen Land unter anderem das Gesetz zur Erhöhung der Mehrwertsteuer, der Wegfall der Pendlerpauschale, die Kürzung des Sparerfreibetrags und die Kürzung bzw. Wegfall des Weihnachtsgeldes für Beamte verabschiedet. Damit es nicht ganz so fies aussah, gab es vermeintliche Geschenke, wie das neue Elterngeld, über das sich das gesamte Land freuen  und wieder mehr deutschen Nachwuchs produzieren sollte. Und Deutschland jubelte, genau wie die Kanzlerin beim Fußballspiel gegen Argentinien.
Und wie sieht es im Sommer 2010 aus? Wieder ein Sommermärchen mit einer tollen Fußball-Mannschaft, einer jubelnden Kanzlerin beim Spiel gegen Argentinien,  euphorischen Fans auf diversen Fanmeilen, wunderbarem Grill-Wetter und Nationalstolz extrem. Wieder scheidet das deutsche Team kurz vor dem Finale aus und ein Raunen gehts durchs Land. Und wieder wurde die Zeit genutzt, um neue Gesetze zu verabschieden. Ein neues Sparpaket musste geschnürt werden, kurz bevor sich der Bundestag in die verdiente 9 wöchige Sommerpause verabschiedete.
Da wäre z.B. die Erhöhung des Krankenkassenbeitrages um 0,6% auf 15,9% und eine Erhöhung der monatlichen Zusatzbeiträge um bis zu 94 Euro, um das enorme Finanzloch der Krankenkassen, das für nächstes Jahr erwartet wird, zu stopfen.
Wurde erst 2007 das neue Elterngeld eingeführt und noch letztes Jahr über die Erhöhung der Harzt IV Zahlungen diskutiert, so wird nun schon wieder alles in Frage gestellt. Harzt IV Empfänger sollen nun gar kein Elterngeld mehr beziehen können und die Berechnungsgrundlage von 67% wurde auf 65% herabgesetzt.
Aber auch beim Bund selbst sollen Stellen und Zahlungen gekürzt werden. Weiterhin soll die Bundeswehr um 40 000 Stellen verringert werden. Als Geschenk an die Bürger soll z.B. die Mehrwertsteuer nicht weiter erhöht werden, damit man sich auch zukünfitg sein tägliches Brot kaufen kann. Da kommt doch pure Freude auf!
Sicherlich sind in Zeiten solch hoher Staatsverschuldung und Staatsbankrotts wie in Griechenland, Sparmaßnahmen unabdingbar. Allerdings frage ich mich immer wieder wo hierbei der Weitblick ist und auch war. Gesetze, die erst vor kurzem aus diversen Gründen verabschiedet wurden, werden über den Haufen geworfen. Es wird darüber diskutiert, die Truppen in Afghanistan noch weiter aufzustocken aber gleichzeitig sollen 40 000 Soldaten weniger zur Verfügung stehen?

Es bleibt einfach immer das Gefühl, dass der, der am tiefsten in die Tasche greifen muss, wieder der gemeine Bürger ist, der keine 9 Wochen bezahlten Sommerurlaub hat.

Aber in diesen Tagen ist es für Deutschland wichtiger, sich über eine Krake Paul aufzuregen, die die Niederlage Deutschlands bei der WM vorausgesagt hatte. Aber klar, Mordgedanken über ein Lebewesen zu haben, das einfach nur eine „bittere“ Wahrheit vorausgesagt hat und damit recht hatte, trifft wohl den Nerv des Volkes eher, als sich über essentielle politische Fragen Gedanken zu machen. Entpolitisiert und ängstlich, wie das Volk in Juvenals Satiren. Auf jeden Fall funktioniert die Sache mit dem Brot und den Spielen….

Kommentare
  1. AVG sagt:

    Nachdem das WM-Getröte nun endlich vorbei ist, haben vielleicht schon ein paar Mitbürger mitbekommen, was die Bundesregierung uns in der Zwischenzeit klammheimlich untergejubelt hat.
    Dazu kann man nur sagen:

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