Kony 2012- social hunting

Veröffentlicht: 9. März 2012 von Sonja Greye in Allgemein, Internet, Politik, Social Media
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Am 05. März wurde von der Hilfsorganisation Invisible Children ein virales Video veröffentlicht, das mit heutigem Stand schon mehr als 55 Millionen mal auf Youtube angeklickt wurde. Aber worum geht es hier überhaupt? Wer oder was ist „Kony“ und warum hat das Video eine derart virale Wirkung auf der ganzen Welt?

Wer ist Kony?
Kony ist ein etwa 50 Jahre alter Mann, der in Uganda geboren wurde. Obwohl er bisher kaum jemandem ein Begriff ist, steht er seit 2005 auf Platz 1 der Liste der meist gesuchten Verbrecher, die vom internationalen Gerichtshofes in Den Haag veröffentlicht wurde. Kony ist seit über 20 Jahren Anführer der Lord`s Resistance Army, kurz LRA. Er sieht sich selbst als spirituelles Medium und von Gott dazu berufen, die 10 Gebote durchzusetzen und einen Gottes Staat zu errichten. Konträr zu den 10 Geboten verbreitet er mit seiner Gefolgschaft allerdings seit über zwei Jahrzehnten Angst und Schrecken. Die LRA ist dafür bekannt, im großen Stil Menschen zu töten, zu vergewaltigen und speziell Kinder zu verschleppen, um sie dann als Kindersoldaten auszubilden. Bisher konnte Kony nicht gefasst werden und immer wieder untertauchen.

Das Video

Der Regisseur Jason Russell hat das sehr professionell umgesetzte Video zu KONY 2012 produziert. Es dauert knapp 30 Minuten und schildert aus seiner persönlichen Sicht die Situation in Uganda mit Kony und was die Organisation „Invisible Children“ dagegen tun möchte: nämlich die Verhaftung Joseph Konys noch dieses Jahr möglich machen. Durch weltweite Aufmerksamkeit für dieses Thema soll die Verhaftung und das Ende Konys Anonymität realisiert werden. Zugegebenermaßen ist das Video sehr rührend und spricht wahrscheinlich daher auch so viele Menschen an. Um sich ein umfassendes Urteil bilden zu können, sollte man sich die Zeit nehmen, das Video anzuschauen.

Der Clip KONY 2012 hat im Social Web eine virale Wirkung wie kaum ein Video zuvor. Die Frage ist nun, ob das an der professionellen Machart oder an der Message an sich liegt. Vielleicht ist es hier eine Mischung aus beidem. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich über Social Media Interessengemeinschaften sehr erfolgreich organisieren und Gehör verschaffen können. Diese Kampagne ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Es bleibt noch abzuwarten, was der 20. April bringen wird, an dem überall auf der Welt KONY 2012 Aktivisten Plakate anbringen wollen.

Die Kritik

Die Organisation und das Projekt KONY 2012 ist allerdings nicht unumstritten. Invisible Children wird vorgeworfen wenig transparent zu agieren und zu viel Geld für Videos, als für wirkliche Hilfe auszugeben. Weiterhin sei die Konzentration auf den Mann Kony viel zu stark, da es in dieser Region mittlerweile weitaus mehr Brandherde und Unmenschlichkeiten gibt. Hier wird außerdem der Vorwurf laut, dass durch Lobbyarbeit die Falschen von der Organisation unterstützt werden. Invisible Children geht auf ihrer Seite auf Kritiken ein. Sie veröffentlichen zum Beispiel eine Grafik aus dem Jahresbericht 2011, die die gesamten Ausgaben der Organisation aufzeigt.

Weiterhin wird auf all die anderen Vorwürfe ausführlich eingegangen und die Initiative nochmal eindringlich erklärt. Um das Ganze zu verstehen, sollte man natürlich Englisch können oder über ein gutes Übersetzungsprogramm verfügen.

Fazit

Ich war zunächst selbst überrascht, dass mir der Name Joseph Kony auch kein Begriff war. Man hört immer wieder von schlimmen Zuständen in Afrika aber die Gewichtung der Berichterstattung liegt scheinbar wirklich eher auf Themengebiete, die politisch und wirtschaftlich interessanter erscheinen. Als Mutter haben mich die Bilder und die Geschichten der Kinder ehrlich berührt. Sicherlich ist das nicht die einzige Baustelle auf unserer Welt. Wenn man hier anfangen würde mit einer Aufzählung, würde wohl keiner mehr weiter lesen wollen. Allerdings bin ich der Meinung, dass jeder Ort bzw. Fall, bei dem unschuldigen Menschen auf derart schlimme Weise Unrecht getan wird, es wert ist, etwas zu tun. Und die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf ein solches Thema zu lenken bzw. zu sensibilisieren ist in meinen Augen ein guter Weg, etwas zu ändern. Wir leben in einer derart vernetzten Welt, in der wir tolle Möglichkeiten haben, die auch genutzt werden sollten. In Bezug auf Social Media ist die gesamte Kampagne sicherlich ein Vorzeigeprojekt und sehr ausgereift. Ob Joseph Kony wirklich dieses Jahr gefasst wird und diese Tatsache auf lange Sicht etwas an der Situation in Uganda ändert, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall ist die „social hunt“, die Jagd in sozialen Medien, eröffnet.

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