Familie und Beruf- überhaupt vereinbar?

Veröffentlicht: 15. Juni 2012 von Sonja Greye in Allgemein, Beruf, Familie, Politik
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Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in den letzten Jahren ein häufig verwendeter Ausdruck in unterschiedlichem Kontext geworden. Meist geht es um berufliche Belange, die mit privaten Anforderungen einer Familie vereinbart werden sollen bzw. müssen. Warum ist der Ruf nach familienfreundlicherer Gestaltung des Arbeitslebens gerade in den letzten Jahren immer lauter geworden? Familien gab es doch schon immer und Geld zu verdienen war auch schon immer notwendig. Die Frage ist nun, was sich geändert hat, dass diese Vereinbarkeit immer schwieriger geworden ist.

Sozialer Mensch

Man spricht vom Menschen als soziales Wesen. Das Wort „Sozial“ bedeutet gemeinsam, verbündet. Der Mensch ist also nicht gerne alleine und umgibt sich deshalb mit anderen seiner Spezies. Dieses Rudelverhalten hat in der Evolutionsgschichte dazu geführt, dass Menschen meist im Familienverband leben. Sozial bedeutet aber überdies, dass Einfühlungsvermögen und Fürsorge für andere vorhanden ist. Egoistische Einzelgänger sind also keine typischen Vertreter der Spezies Mensch. Dennoch geht der Trend in den letzten Jahren ganz klar zum alleine lebenden Menschen. Gerade in größeren Städten und Ballungsräumen ist das Leben im Familienverbund immer seltener geworden. In München sind sogar fast 30% der Einwohner Singels.

Wandel in der Gesellschaft

Weiterhin hat sich das Rollenbild der Frau massiv geändert. In den letzten 60 Jahren ist die Emanzipation der Frau aber auch der des Mannes enorm fortgeschritten. Es ist mittlerweile normal, dass eine Frau einen höheren Bildungsabschluss anstrebt, eine leitende Position im Job inne hat oder auch alleine lebt. Aber auch Männer haben sich durch dieses veränderte Rollenbild emanzipiert. Männer sind heutzutage durchaus in der Lage, auch ohne weibliche Unterstützung von Mutter oder Ehefrau durchs Leben zu kommen. Weiterhin beteiligen sich Väter aktiv an der Erziehung der Kinder und sehen sich nicht bloß als Brötchenverdiener. Das ist auch ein Punkt, der sich ebenfalls geändert hat. Viele Familien, gerade in Städten wie Hamburg oder München, in denen die Lebenshaltungskosten enorm sind, können sich einen Alleinverdiener nicht mehr leisten.

Kostenfaktor Kind

Ein Kind groß zuziehen ist ein teures Unterfangen. Eigentlich verständlich, dass sich junge Menschen heutzutage genau überlegen, ob sie sich darauf einlassen wollen. Kosten, Nerven, mangelnde Flexibilität und der Zeitfaktor schrecken viele ab. Die Regierung wollte mit der Einführung des Elterngeldes im Jahre 2007 darauf reagieren und Familien mit finanziellen Anreizen dazu ermutigen, Kinder zu bekommen. Dass dabei auch der Ausbau von Kindertagesstätten massiv vorangetrieben werden muss, wurde scheinbar zunächst vernachlässigt. Denn was bringt es einer berufstätigen Frau, Elterngeld zu beziehen, aber nach dieser Zeit keinen Betreuungsplatz für ihr Kind zu bekommen?

Umdenken der Arbeitgeber

Mann muss sich also wirklich nicht wundern, wenn gerade Frauen keine Kinder mehr bekommen möchten. Betrachtet man die oben genannten Fakten genauer, muss man noch einen zusätzlichen Einflussfaktor beachten: der/die ArbeitgeberIn. Bei vielen Unternehmen ist es leider noch nicht angekommen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mittlerweile ein zentrales Anliegen von jungen Familien geworden ist. Weil es eben nicht mehr die klassische Rollenverteilung gibt, die Betreuungssituation teilweise sehr schlecht ist und auf beiden Eltern die Verantwortung und Last des Familieneinkommens liegt. Leider gibt es Arbeitgeber oder Vorgesetzte, die Familie als ein Privatvergnügen ansehen und sich das Unternehmen nicht danach richten müsse, sondern der Arbeitnehmer für seinen Job flexibel zu sein hat. Dass dieser Ansatzpunkt sehr engstirnig und kurzfristig gedacht ist, muss wohl nicht weiter erläutert werden.

Familienleben ist ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft und zwingend notwendig, um deren Fortbestand sichern zu können. Kinder zu haben sind weder ein Hobby noch Privatvergnügen, sondern eine Selbstverständlichkeit, die keiner Rechtfertigung bedarf. In Zeiten von Fachkräftemangel müssen Unternehmen hier massiv umdenken, um auf Dauer konkurrenzfähig sein zu können.

Wie vereinen?

Die starke digitale Vernetzung heutzutage ermöglicht viele unterschiedliche Modelle von Arbeitsplatzgestaltung, die eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern. Das Arbeiten von zu Hause wird immer einfacher, jedoch muss der Arbeitgeber hier seinen Führungsstil ändern. Weg von strikter Kontrolle, hin zu Vertrauen. Menschen, die eine Familie managen haben auch meist ein sehr gutes Zeitmanagement und schaffen ihre Aufträge ggfs. auch in kürzerer Zeit. Hier sollte man als Vorgesetzter auftragstaktisch vorgehen und das Resultat bewerten und weniger den Weg dort hin. Man sollte also von der Vorstellung weg kommen, dass Kinder oder eine Familie für ein Unternehmen Balast sein könnten, sondern dies als Bereicherung ansehen. Denn auf lange Sicht, wird auch das Unternehmen von glücklichen Arbeitnehmern und deren Familien profitieren.

Kommentare
  1. pueppi sagt:

    Es ist momentan kaum vereinbar. Hier gibt es wenig bis gar keine Krippenplätze – wir bekommen zb. dieses Jahr keinen mehr, obwohl wir uns schon IN der Schwangerschaft beworben haben. Vor 2 Wochen kam die Absage – Start sollte im August sein.
    Das erfreut auch keinen Arbeitgeber – denn wohin mit der Kleinen, wenn ich doch wieder arbeiten muss/soll/will.
    Das es dadurch finanziell nicht grad besser wird, ist ja auch klar.
    Was sich die Politik beim Betreuungsgeld gedacht hat, ist mir bis heute schleierhaft – welches Elternteil bleibt freiwillig für 100 Euro zu Hause, wenn es im Job weitaus mehr verdienen könnte?!

    Sollte doch das Geld lieber in den Ausbau von Kita und Krippenplätzen gesteckt werden.

    Am Ende ist es kein Wunder, wenn sich immer mehr gegen ein Kind entscheiden – einfach wirds einem auf jeden Fall nicht gemacht,

    • ezepke sagt:

      Ich glaube, dass das hier angesprochenen Problem noch weiter geht, denn es gibt genügend Statistiken, die beweisen, dass erfolgreiche Männer sehr wohl Familie und Kinder unter einen Hut bringen, seltener jedoch die Frauen. Eine Studie aus der Schweiz sagt, dass gerade einmal 25% der Frauen in Spitzenpositionen in einer Beziehung leben, 20% in einer Ehe und gerade mal 10% davon haben Kinder. Darüber hinaus besagt die Studie eines Wiener Professors, dass 80% der Frauen Familie und Beruf vereinbaren wollen, lediglich 40% der Männer sich aber mit diesem Modell anfreunden können. An dieser Stelle stellt sich mir die Frage, ob hier nicht einfach mal ein bestimmter Teil der Gesellschaft endlich vollständig in der Emanzipation ankommen sollte. Dem scheint derzeit nämlich nicht so zu sein. Dabei darf man jedoch eines nicht vergessen, solange Männer im eignen Unternehmen schief angeschaut werden, weil sie in Elternzeit gehen, braucht man sich nicht zu wundern, dass vielleicht viel, die gerne anders agieren würden, es nicht tun. Hier muss eben das besagte Umdenken in den Unternehmen stattfinden.

      • pueppi sagt:

        Dennoch – was nutzt all die Emanzipation, wenn es keine Betreuungsmöglichkeiten für Kinder gibt? Wie soll eine Frau, verheiratet, mit Kind, in eine Spitzenposition kommen, wenn es hier (Sachsen, Großstadt) ein Ding der Unmöglichkeit ist einen Krippen- oder Kitaplatz zu bekommen?
        Da hakt es nicht daran, dass die Frauen nicht wollen, sondern das sie einfach nicht können. Da wundert es mich nicht, wenn ein großer Teil der weiblichen Fraktion ohne Kind in höheren Positionen ist.

        Elternzeit beim Mann war hingegen kein Problem. Seit Freitag hat meiner sie angetreten – ohne Probleme.

  2. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten das es, vor allem für uns Freiberufler, von Jahr zu Jahr schwerer wird Familie (Privatleben) & Beruf unter einen Hut zu bekommen.

    Ab und an beneide ich Festangestellte wenn sie am Freitag Nachmutrag ins Wochenende gehen. Ich site dann oft noch Samstag und/oder Sonntags um die Tätigkeiten durchzuführen zu denen ich auf Grund meiner Arbeit wochentags nicht komne: PR-Aktivitäten, Aquisetätigkeiten, Buchhaltung, Netzwerke pflegen, etc…

    Da kommt der Partner und die Familue schon mal zu kurz.

    Ganz schlimm ist es wenn man(n)/frau dann noch unter der Woche in einer anderen Stadt ist bei Klienten.

    Andererseits ist es schon komisch das ich meine Selbständigkeit, trotz der vielen Unbequemlichkeiten nie aufgeben würde.

    Der Mensch ist schon ein seltsames Wesen.😉

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