Meinungsmache und Tierschutz- funktioniert prima!

Veröffentlicht: 15. April 2014 von Sonja Greye in Allgemein, Tierschutz
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Oft komme ich nicht mehr dazu mein privates Blog mit Inhalt zu füllen, was mich ärgert aber auch nicht wirklich zu ändern ist. Nun ist es aber mal wieder an der Zeit. Jeder, der mich näher kennt weiß dass mir das Thema Tierschutz sehr am Herzen liegt und ich hier selbst schon seit Jahren engagiert bin. Tiere sind einfach wertvolle Begleiter in meinem Leben, die ich nicht missen möchte. In den letzten Wochen und Monaten gab es immer wieder Berichte, die von Tiertransporten und beschlagnahmten Tieren berichteten sowie Tierschutz mit illegalem Tierhandel auf eine Stufe stellten. Anschuldigungen sind schnell gemacht und diese verteilen sich noch schneller im Internet, was jedoch an den Vorwürfen dran ist bzw. eine Aufklärung gibt es selten. Deshalb nun dieser Artikel meinerseits.

Tierhandel vs. Auslandstierschutz

Der illegale Handel mit Tieren ist in der Tat ein Problem. Sogenannte Wühltischwelpen werden unter schrecklichen Umständen in diversen Nachbarländern gezüchtet und meist viel zu früh von ihren Müttern getrennt, um auf Parkplätzen oder Märkten an Menschen verkauft zu werden, die unbedingt einen günstigen Rasse-Hund haben wollen. Meist sind die Tiere krank und/oder psychisch völlig verstört. Viele Interessenten haben Mitleid und kaufen diese Welpen nur aus diesem Grund. Allerdings unterstützt und forciert auch dieser Kauf das weitere Vermehren der armen Tiere.

Im Tierschutz wird seit Jahren vermehrt die Arbeit auch auf das Ausland verlagert. Auslandstierschutz polarisiert allerdings hier in Deutschland sehr. Viele Menschen sind der Meinung, dass man keine Tiere aus dem Ausland „importieren“ sollte, wo wir doch selbst voll besetzte Tierheime haben. Der Einwand ist in gewissem Maßen gerechtfertigt. Vor allem, da es gerade im Auslandstierschutz viele schwarze Schafe gibt. Allerdings stellt sich die Frage, ob der Schutz von Tieren an Grenzen gebunden sein sollte? Vor allem wo wir heutzutage in einer zunehmenden Globalisierung leben und uns zu einem gemeinsamen Europa bekennen wollen. In Deutschland sind die Tierheime mittlerweile voll von Listenhunden und Tieren, die auf Grund ihrer Geschichte evtl. schwer vermittelbar sind. So kommt es, dass sich immer mehr Menschen auch für Tiere aus dem Ausland interessieren. Weiterhin sind die Bedingungen der Tiere in einigen europäischen Nachbarländern nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen. Tiere werden hier gequält und getötet, haben einfach einen ganz anderen Stellenwert. Niemand möchte Geld für Kastrationen usw. ausgeben und wenn das Tier überflüssig wird, kommt es bestenfalls noch auf die Straße. Dort vermehren sich die Hunde und Katzen dann unkontrolliert und der Jammer ist groß, dabei hätte man das mit einer kleinen Investition verhindern können. Ich persönlich halte Tierschutz für grenzenlos und unterstütze dort, wo es nötig ist. Ob in Deutschland oder im Ausland. Wichtig ist mir allerdings, dass Auslandstierschutz nicht kopflos betrieben wird. Es ist nicht damit getan, Tiere wahllos nach Deutschland zu vermitteln. Die Tierschutzarbeit beginnt vor Ort: mit der Aufklärung der Menschen und Kastrationsprogrammen für Straßentiere. Sonst kann sich gar nichts ändern und man hat irgendwann den gleichen Effekt wie bei den Wühltischwelpen. Die meisten seriösen Tierschutz-Organisationen, die sich mit Auslandstierschutz befassen, leben dieses Prinzip auch. Und diese sind damit für mich somit unterstützungswürdig! Es muss eine klare Linie zwischen illegalen Tierhandel und Auslandstierschutz gezogen werden.

Beschlagnahmung von Tieren aus Bulgarien

Am 17. März wurde ein bulgarischer Transporter in der Nähe von Darmstadt gestoppt und die Tiere beschlagnahmt. Schnell wurde der Fall von diversen Medien aufgegriffen und ohne weiterführende Infos Meinungsmache betrieben. Schon bald wird von „Geschäft mit Hunden“ und dass die Tiere auf Parkplätzen an Privatpersonen verkauft werden sollten berichtet.
Beschlagnahmung Tiere Bulgarien Quelle: Polizeipräsidium Nordhessen
Weitere Diskussionen und Mutmaßungen ließen damit natürlich nicht lange auf sich warten. Es ist völlig nachvollziehbar, dass man als Leser hier zwangsläufig eine Meinung aufgezwungen bekommt. Solche Meldungen sind ja auch wesentlich resonanzfähiger als alles andere und gerade die Zeitungen glauben ja heutzutage um Leser kämpfen zu müssen. Aber so? Was bleibt ist der Bericht und die Anschuldigungen, dass dieser Transport rechtswidrig war und Tiere aus Bulgarien illegal eingeführt wurden. Keine dieser Medien berichtet darüber, dass das Verfahren vom Regierungspräsidium Darmstadt (als Fachaufsichtsbehörde des Vetamtes) letzte Woche entschieden hat, dass jegliche Anschuldigungen in diesem Fall widerlegt werden konnten. Es wurde bewiesen, dass die Impfungen der Tiere alle bestanden und die Papiere korrekt waren und es keine rechtliche Grundlage für eine Beschlagnahmung der Tiere gab. Mittlerweile durften alle Hunde und Katzen in ihre neuen Familien einziehen. Die Meinung über den Sachverhalt in den Köpfen der Menschen bleibt allerdings: „aus dem Ausland werden illegal immer wieder Tiere eingeführt. Die schleppen auch noch Krankheiten ein usw.“ Das macht die Arbeit von seriösen Tierschutzorganisationen nicht einfacher.

Fazit

Das Thema Tierschutz ist ein sehr emotionales Thema. Gerade im Internet passiert hier vieles und es ist verständlich, dass Außenstehende sich zunehmend schwer tun zu differenzieren. Mir liegt das Wohl aller Tiere weiterhin am Herzen. Man muss Abstand nehmen von dem Irrglauben, alles und jeden retten zu können. Das ist unmöglich. Allerdings hilft jede kleine Tat schon unglaublich viel und es sollte einen anderen Anspruch an die Sache geben. Wie und in welcher Form und vor allem wo ist dabei absolut zweitrangig. Wer unsicher ist, welche Organisation seriös ist und was die Adoption von Tieren aus dem Tierschutz betrifft, kann sich gerne an mich wenden. Ich konnte hier schon einiges an Erfahrungen sammeln und teile diese gerne.

Kommentare
  1. bettinariese sagt:

    Endlich gibt es zu diesem Thema mal eine Gegendarstellung. Denn diese ganze Meinungsmache und Hetzerei gegen den Auslandstierschutz macht vor allem die Arbeit auch für seriöse Tierschutzvereine, die sich wirklich legal und gemmeinnützig mit dem Auslandstierschutz befassen, äußerst schwer.
    Die Unwissenheit der Leute wird hier komplett ausgenutzt. Was meiner Meinung nach sehr wichtig ist zu erwähnen ist, dass die meisten ausländischen Tiere in den deutschen Tierheimen ja auch nicht von beschlagnahmungen von illegalen Transporten stammen, sondern die meisten (sicherlich nicht alle) der Tierheime selbst mit ausländischen Tierheimen zusammen arbeiten und sich dann von ihnen die Tiere „bestellen“ um ihre eigenen Kapazitäten zu füllen damit sie ihre Fördergelder auch weiter vom Staat bekommen. Wenn unsere Tierheime dies nicht tun würden, wären diese sicherlich nur halb so voll. Dies erfährt man aber nur, wenn man genau nachfragt, oder wenn man selbst mitbekommt, wo gut die Hälfte aller Tiere der legalen Tiertransporte abgeliefert werden, da diese Tierheime dies natürlich selbst nicht immer öffentlich preisgeben.
    Die Tierheime bezahlen nur das allernötigste (laut einigen Bekannten aus BG wohl nichtmal immer das) und geben die Tiere in Deutschland dann für eine weitaus höhere Schutzgebühr weiter. Man braucht nicht zu erwähnen, dass dies natürlich ein lukratives Geschäft für sie ist. Das ist der zweite Grund warum sie sich immer seltener gegenseitig Tiere abnehmen, sondern selbst immer wieder neue Tiere aus dem Ausland holen.
    Sicherlich möchte ich hier nicht alle Tierheime über einen Kamm scheren, sowie man auch nicht alle Vereine über einen Kamm scheren sollte, wie es derzeit in den Medien mit diesen gemacht wird.

    • Miriam sagt:

      Ja, es stimmt, dass einige deutsche Tierheime auch bewusst Tiere aus dem Ausland aufnehmen.
      Wenn ein Tierheim voller Listenhunde und „unvermittelbarer“ Hunde steckt, die alle gefüttert werden müssen, und für deren staatliche Zuschüsse nicht ausreichen (oder es ein komplett privat geführtes TH ist), wenn eventuelle Interessenten immer enntäuscht wieder abziehen, weil keines der vorhandenen Tiere für ihre Familie geeignet ist, dann würden irgendwann ersten die Interessenten ganz wegbleiben (da findet man ja eh nichts), die Kosten würden ins unermessliche steigen und das TH stände vor dem Aus.
      Macht es da nicht sogar Sinn, einigen Hunden aus dem Ausland eine Chance zu geben, sie in dieses TH aufzunehmen? Haben nicht alle Beteiligten etwas davon? Meiner Meinung nach schon!
      Ob das nun ein lukratives Geschäft ist oder eher eine Maßnahme zur Schadensbegrenzung hängt vom Einzelfall ab. Bei den Tierheimen, mit denen ich als in Rumänien aktive Tierschützerin zu tun hatte, war es ganz sicher kein lukratives Geschäft…. und es hielt sich auch immer die Waage zwischen „leicht vermittelbaren“ Hunden, schwarzen (schon schwieriger), älteren oder gar Handicaphunden.

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